So funktioniert ThermoSequenz
ThermoSequenz ist ein messbasiertes Verfahren zur schrittweisen Optimierung der Wärmeverteilung in bestehenden Heizungsanlagen. Statt ausschließlich mit rechnerischen Annahmen zu arbeiten, wird beobachtet, wie sich die einzelnen Räume und Heizkreise im tatsächlichen Betrieb verhalten.
Dazu werden über mehrere Tage die Betriebszeiten der Heizkreise erfasst und miteinander verglichen. Die Messung wird mit wichtigen Betriebsdaten der Heizungsanlage verbunden. Daraus entstehen konkrete Empfehlungen für die weitere Einstellung.
Das Ziel ist nicht, möglichst viele Werte zu sammeln. Das Ziel ist eine Heizung, bei der die Räume entsprechend ihrer tatsächlichen Nutzung möglichst gleichmäßig versorgt werden und die Anlage mit einer möglichst niedrigen Vorlauftemperatur betrieben werden kann.
1. Die Heizkreise eindeutig zuordnen
Am Anfang steht eine einfache Bestandsaufnahme. Jeder Heizkörper beziehungsweise jeder Kreis einer Fußbodenheizung erhält eine eindeutige Kreisnummer.
Im ThermoSequenz-Logbuch wird einmalig festgehalten, welcher Kreis zu welchem Raum und zu welcher Heizfläche gehört.
Die Kreisnummer bleibt während der gesamten Heizsaison unverändert. Dadurch genügt es bei den späteren Messungen, beispielsweise Kreis 01, Kreis 02 oder Kreis 03 einzutragen.
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2. Die gewünschten Raumtemperaturen festlegen
ThermoSequenz soll nicht feststellen, ob alle Räume dieselbe Temperatur haben sollen. Entscheidend ist vielmehr, ob die Heizung die vom Bewohner tatsächlich gewünschten Temperaturen zuverlässig bereitstellt.
Deshalb werden vor Beginn der Messung die üblichen Solltemperaturen der Räume eingestellt.
Während eines Messzyklus werden diese Solltemperaturen nicht verändert. Nur so lassen sich die Betriebszeiten der einzelnen Heizkreise sinnvoll miteinander vergleichen.
3. Mit vollständig geöffneten Heizkreisen beginnen
Vor dem ersten Messzyklus werden die vorhandenen Voreinstellungen der Heizkörperventile beziehungsweise die Drosselungen der Heizkreise vollständig geöffnet. Die Anlage startet damit zunächst ohne die möglicherweise aus früheren Einstellungen übernommenen hydraulischen Begrenzungen.
ThermoSequenz geht anschließend schrittweise in die andere Richtung: Die Messung zeigt, welche Heizkreise im Verhältnis zu den übrigen Kreisen überversorgt sind. Nur diese Kreise werden gezielt gedrosselt.
Dadurch wird vermieden, dass unnötig viele Heizkreise hydraulisch begrenzt werden. Der hydraulische Abgleich entsteht durch die gezielte Reduzierung der überversorgten Kreise, während die übrigen Kreise möglichst frei durchströmt bleiben.
Das hat einen wichtigen hydraulischen Vorteil: Der zusätzliche Gesamtwiderstand des Heizsystems wird durch den Abgleich so gering wie möglich gehalten. Dadurch kann der erforderliche Gesamtvolumenstrom mit möglichst geringem Pumpenaufwand bereitgestellt werden.
Anschließend würde aus dem bisherigen Punkt 3 Punkt 4 „Einen Messzyklus starten“ usw.
Ich würde sogar den Grundsatz optisch hervorheben:
Grundprinzip ThermoSequenz: Nicht alle Heizkreise einregulieren, sondern zunächst vollständig öffnen und anschließend nur die tatsächlich überversorgten Kreise so weit wie erforderlich drosseln.
4. Einen Messzyklus starten
Zu Beginn eines Messzyklus werden die aktuellen Betriebsstundenzähler der Heizkreise abgelesen und im Logbuch eingetragen.
Zusätzlich werden die verfügbaren Betriebsdaten der Heizungsanlage festgehalten:
Vorlauftemperatur Tvl · Rücklauftemperatur Trl · Gesamtvolumenstrom V · Außentemperatur
Viele dieser Werte lassen sich bereits am Wärmeerzeuger oder im Menü einer modernen Heizkreispumpe ablesen.
Das Buch „Heizung messen und optimieren“ zeigt, wo diese Angaben typischerweise zu finden sind und wie sie einzuordnen sind.
5. Zwei bis drei Tage beobachten
Jetzt muss zunächst nichts eingestellt werden.
Die Heizung arbeitet im normalen Alltag weiter. Ein Messzyklus sollte möglichst zwei bis drei Tage dauern.
Wichtig ist, einen Zeitraum zu wählen, in dem sich die Außentemperaturen nicht außergewöhnlich stark verändern. Dadurch werden die Betriebszeiten verschiedener Messzyklen besser miteinander vergleichbar.
Auch die eingestellten Wunschtemperaturen der Räume bleiben während dieser Zeit unverändert.
6. Die Zählerstände erneut ablesen
Nach zwei bis drei Tagen werden die Betriebsstundenzähler ein zweites Mal abgelesen.
Der Nutzer muss dabei keine Differenzen berechnen. Es genügen die beiden Zählerstände:
Betriebsstunden Start → Betriebsstunden Ende
Damit ist ein Messzyklus abgeschlossen.
Gerade diese Einfachheit ist wichtig: Der Nutzer muss weder den individuellen Volumenstrom jedes Heizkreises kennen noch komplizierte Messgeräte bedienen.
7. Die Messwerte auswerten
Nun werden die Messdaten miteinander verglichen.
ThermoSequenz betrachtet insbesondere, wie lange die einzelnen Heizkreise während desselben Messzeitraums Wärme angefordert haben. Daraus lässt sich erkennen, wie sich die vorhandene Wärmeverteilung auf die einzelnen Räume auswirkt.
In Verbindung mit dem Gesamtvolumenstrom der Anlage kann ThermoSequenz die prozentuale Verteilung des Volumenstroms abschätzen. Zusammen mit Vorlauf- und Rücklauftemperatur lässt sich daraus auch die Wärmeabgabe einzelner Bereiche näherungsweise beurteilen.
Damit wird aus dem bloßen Ablesen von Betriebsstunden eine systematische Betrachtung der tatsächlichen Wärmeverteilung.
8. Nur dort eingreifen, wo es erforderlich ist
Aus der Auswertung entstehen konkrete Empfehlungen für einzelne Heizkreise.
Dabei gilt ein wichtiges Prinzip:
Ein Kreis wird bei Bedarf reduziert – nicht aufgrund eines einzelnen Messwertes vorschnell geöffnet.
Im Logbuch kann die Empfehlung direkt beim jeweiligen Kreis dokumentiert werden. Ein „–“ kennzeichnet beispielsweise einen Kreis, dessen Volumenstrom für den nächsten Messzyklus reduziert wurde.
So bleibt jede Veränderung nachvollziehbar.
9. Erneut messen
Nach der Anpassung beginnt der nächste Messzyklus.
Wieder werden die Startwerte eingetragen, die Heizung zwei bis drei Tage im normalen Betrieb beobachtet und anschließend die Endwerte abgelesen.
So entsteht eine Folge aus:
Messen → Auswerten → Anpassen → erneut messen
ThermoSequenz nähert sich dem optimierten Zustand damit schrittweise an, statt die gesamte Anlage aufgrund einer einmaligen Berechnung einzustellen.
10. Anschließend die Vorlauftemperatur betrachten
Eine gleichmäßigere Wärmeverteilung schafft die Voraussetzung für den nächsten wichtigen Schritt: die Heizkurve kann überprüft und die Vorlauftemperatur schrittweise abgesenkt werden.
Jetzt zeigt sich, welcher Raum bei sinkender Vorlauftemperatur zuerst seine gewünschte Temperatur nicht mehr erreicht.
Dieser kritische Raum ist besonders interessant. Er kann zeigen, ob beispielsweise die vorhandene Heizfläche zu klein ist, ein hydraulisches Problem besteht oder eine gezielte Verbesserung der Gebäudehülle sinnvoll wäre.
Damit beantwortet die Messung schließlich eine wesentlich größere Frage:
Welche Vorlauftemperatur braucht dieses Gebäude tatsächlich?
Vom Messwert zum Optimierungsplan
Am Ende steht deshalb nicht nur ein hydraulisch besser eingestelltes Heizsystem.
Die Messungen liefern gleichzeitig Hinweise darauf,
- welche Räume besonders viel Wärme benötigen,
- welche Heizflächen ausreichend dimensioniert sind,
- wo Verbesserungen besonders wirksam sein könnten,
- wie weit die Vorlauftemperatur abgesenkt werden kann und
- welche Voraussetzungen für einen späteren Wärmepumpenbetrieb bereits vorhanden sind.
So entsteht Schritt für Schritt ein persönlicher Optimierungsplan für die bestehende Heizungsanlage.